Ancona, seit jeher wichtigster Hafen in der Mitte der Adriaküste, gekennzeichnet durch den intensiven
Handel mit der Stadt Venedig und dem Orient, ist von Kunst und Geschichte geprägt. Seele des Handels und der Seefahrt in der Provinzhauptstadt der Marken ist die Statue von
Papst Clemens XII auf der
Piazza del Plebiscito, dem Herz der Altstadt. Sie wurde von den Bürgern als Zeichen der Anerkennung für den Papst errichtet, der Ancona im Jahre 1738 den Status eines Freihafens gewährte. An einem halbkreisförmigen Springbrunnen aus dem 18. Jahrhundert und einem seitlichen Springbrunnen aus dem 15. Jahrhundert vorbei geht es in die herrlichen
Kirche von San Domenico, die eine
Kreuzigung von
Tiziano beherbergt, einem berühmten Zeitenossen von Lotto, dessen Mitbürger in der Republik Venedig er war. Wenige Meter von der Piazza befindet sich die
Pinacoteca Civica di Palazzo Bosdari, in der es das Werk
Madonna mit dem Kind eben jenes venezianischen Malers sowie die
Vergine dell'Alabarda (1539), wörtlich: Jungfrau der Hellebarde von Lotto zu bewundern gibt. Das Gemälde ist nach der Waffe benannt, die Simon Guida auf diesem Bild mit der Spitze nach unten in der Hand hält. Mit der malerischen Symbolik jener Zeit drückt Lotto die Niederlage der religiösen Macht aus. In der Tat hatte der Adel Anconas gerade in jenen Jahren seine politische Autonomie wiedererlangt. Wenn man nach der Pinakothek kurz auf der Piazza Stracca verweilt, kommt man in den Genuss eines schönen
Ausblicks auf die Stadt von oben. Wenn man in Richtung Meer schaut, wird einem bewusst, von welch unbestrittener Wichtigkeit der
Hafen für die Identität und Geschichte Anconas ist.