Auf den äussersten Südausläufern des Berges Subasio stehend und vollständig aus rosarotem Kalkgestein des gleichen Berges erbaut, ist Spello un Juwel der Valle Umbra. Es rühmt sich seines uralten umbrischen Ursprungs, wurde aber später römisches
Municipium mit dem Namen Hispellum. Kaiser Augustus verlieh ihm den Titel "Splendissima Colonia Julia" und wies ihm den Besitz des Ortes Civitella d'Arno und einige Quellausläufer der Clitunno-Quellen zu. Später erhielt es von Kaiser Konstantin das Privileg die religiösen Spiele und Veranstaltungen zu organisieren, die bis dahin in Fanum Voltumnae stattfanden, dem heiligen Ort der etruskischen Dodecapoli, und nannte es Flavia Constans. Während des Mittelalters wurde es umkämpft von Spoleto und Perugia, Papst- und Kaisertum, Guelfen und Gibellinen und 1238 von Friedrich II. zerstört. Das Heer von Albonorz, päpstlicher Gesandte beauftragt mit der Zurückgewinnung aller Kirchengebiete, unter ihnen das Herzogtum von Spoleto, beendete die Streitigkeiten. Danach ging Spello auf die Familie Baglioni über, die es auch bei abwechselnden Begebenheiten von anderen Signorien (Gian Galeazzo Visconti, Braccio da Montone, Guido Antonio da Montefelto) bis 1583 beherrschte. Sowohl unter wirtschaftlichem als auch künstlerischem Gesichtspunkt war dies die wichtigste Epoche der Stadt, in der sie sich um Meisterwerke der Renaissance, wie die bedeutenden Werke des Pinturicchio, unter ihnen die Kapelle Baglioni, bereicherte. Der Besuch in Spello beginnt an seiner tiefsten Stelle, umgeben von den gut erhaltenen
Römischen Mauern mit der
Porta Urbica und der grandiosen
Porta Consolare aus dem I. Jahrhundert v.Chr. Diese weist einen Zentralbogen und zwei kleine Seitenbögen auf, sowie einen mittelalterlichen Turm an ihrer Seite. Die drei Statuen auf der Vorderseite, im archäologischen Gelände des Amphitheaters gefunden, wurden im XVI. Jahrhundert angebracht. Von hier aus geht es hinauf durch die "Terzieri", das heisst durch die drei Stadtteile: Porta Chiusa, ein bewohntes Viertel, Mezota, das zivile Machtzentrum und Posterula, mittelalterliche Zitadelle. Fast sofort danach, auf der via dei Consolari, stösst man auf die
Kapelle Tega aus dem XIV. Jahrhundert, die ursprünglich der Hl. Anna gewidmet war. Sie verwahrt Fresken von 1461, die aus der Jugendzeit von Nicolò di Liberatore (Schüler) stammen. Die Fresken "S. Anna" und "Vergine in trono" wurden auch Mezzatris zugeschrieben. Ein paar Schritte weiter, rechts von der nach Matteotti benannten Strassenverbreiterung, befindet sich in der Via Cavour die
Kirche S. Maria Maggiore, erbaut auf den Ruinen eines den Göttern Juno und Vesta geweihten Tempels. Das ursprüngliche Bauwerk aus dem Jahr 1025 gehörte den Kamaldulensermönchen der Abtei S. Silvestro von Collepino. In romanischem Stil 1285 wieder aufgebaut, wurde sie 1644 ausgebaut, indem der vorherige Bogengang abgerissen und die Fasse 7 Meter weiter nach vorne verlegt wurde; die Verzierung mit Akanthusblättern des romanischen Portals wurden jedoch bewahrt. Der Innenraum hat die Struktur eines lateinischen Kreuzes, ein Kreuzgewölbe und ist mit reichen Altären aus dem XVIII. Jahrhundert ausgestattet. Auf der linken Seite befindet sich die
Kapelle Baglioni, die im fünfzehnten Jahrhundert vom zukünftigen Bischof von Perugia Troilo Baglioni in Auftrag gegeben wurde. Ebenfalls auf der Piazza Matteotti befindet sich rechts die
St.- Andreas-Kirche, die im Jahr 1258 von einem der ersten Jünger St. Francescos, Andrea Caccioli, gebaut wurde. Über die via Cavour weitergehend erreicht man Piazza delle Repubblica mit dem im Jahr 1270 erbauten Palazzo Comunale Vecchio. Er bewahrt den spitzbogigen Laubengang, später mit einem Gewölbe bedeckt, und auf dem ersten Stock drei zweibogige romanische Fenster. Eine Aussentreppe, die zum oberen Saal führte, wurde abgerissen. Der Palast beherbergt die städtische Archäologiesammlung mit Grabstelen, Skulpturen und Inschriften, sowie die städtische Pinakothek, die unter anderem die Werke des Spagna (1522) "Incoronazione di Maria tra angeli, S. Francesco e santi" und "S. Caterina und S. Cecilia, ein Polyptychon und ein Triptychon von Giovanni di Corraduccio, ein Gemälde von Ascensidonio Spacca und Tafeln von umbrischen Künstlern aus dem XIV. und XV. Jahrhundert aufhebt. Die Kirche überschritten schlägt man via Giulia ein, die den römischen Mauerring entlangführt, und man kommt am
Arco di Augusto vorbei. Von ihm sind nur die Seitenpfeiler mit dem Bogenansatz übrig geblieben. Die Via Giulia endet vor der Kirche und Kloster S. Maria di Vallegloria, Kloster der Klarissinnen aus dem Jahr 1320, dessen Namen vom antiken, heute noch bestehenden Konvent in einem Tal des Berges Subasio in Richtung Collepino, herrührt. Die Fassade zeigt in gotischen Formen die klassische gotische Struktur und ein überragendes Portal mit zentraler Rosette. Hier beginnt der Abstieg zum
Belvedere, von dem aus man eine wunderschöne Aussicht auf die Valle del Topino und die Hügel hat, die sich zwischen Assisi und Montefalco erheben. Zum Schluss geht man zum zweiten römischen Monumentaltor hinab, der
Porta Venere, die ihren Namen aufgrund ihrer Lage in Richtung eines Venustempels erhielt, der, so nimmt man an, sich in der Nähe der
Villa Fidelia befand.