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Donnerstag 9. September 2010 














Lecce
Historische Persönlichkeit
Carmelo Bene
Carmelo Bene ist ein Autor, Schauspieler und Regisseur, der zwar umstritten ist, aber doch als grosser Erneuerer der Theatersprache und hervorragender Interpret geschätzt wird. Er wird 1937 in Campi Salentina (Lecce) geboren, wo er in einem Jesuiteninternat das altsprachige Abitur macht, um sich dann 1957 bei der Akademie der Dramatischen Künste einzuschreiben, die er aber fast sofort wieder verlässt und als „unnütz„ bezeichnet. Sein Theaterdebüt findet 1959 in Rom als Hauptdarsteller im Caligola von Albert Camus statt; dann wird er zum Regisseur von sich selbst und leitet jene Operation der Umgestaltung und „Massakrierung„ der Klassiker ein, die er als „Variationen„ bezeichnet. So kommt es zum ersten „Fall Carmelo Bene„, der Persönlichkeiten wie Pier Paolo Pasolini fasziniert, der ihn als Protagonisten in seinem Edipo Re und in anderen Filmen will. 1965 veröffentlicht er den Roman Nostra signora dei turchi, der im Jahr darauf aufgeführt und verfilmt wird und am Filmfestival in Venedig teilnimmt, wo er den Sonderpreis der Jury erhält. Es folgen weitere Filme: Capricci, Don Giovanni, Salome und Un Amleto in meno. An Bene erinnert man sich als an einen schweigsamen Jungen, Erbe einer zu strengen Erziehung, die wahrscheinlich die Wurzel seiner überschäumenden, immer revolutionären, kaustischen und absolut ungewöhnlichen Ausdrucksstärke ist. Das enorme Talent des Schauspielers und Regisseurs drückt sich an Aufführungen aus, die zur Legende geworden sind: seine aggressiven und respektlosen Lesarten von Pinocchio von Collodi, Hamlet von Shakespeare, Edoardo III von Marlowe, Salomè von Oscar Wilde, Manon von Prévost, Hamlet von Shakespeare-Laforgue, die den Effekt eines wahren Wirbelsturms haben und von der Kritik fast einstimmig als skandalös bezeichnet werden. Die letzten zwanzig Jahre investiert Carmelo Bene in Experimente, und vor allem seine Arbeiten mit der Stimme bringen den Schauspieler zu nie erreichten Horizonten und stellen ihn in die Avantgarde der zeitgenössischen internationalen Kunst. Während die Leitung der Biennale 1988 scheitert, bleiben doch gedenkwürdige Arbeiten wie die Lesungen von Majakowsky, Leopardi, der Canti orfici von Dino Campana, die die unendliche Kreativität des Künstlers bezeugen. Er stirbt 2002 in Rom, ohne ein öffentliches Begräbnis, das er selbst nicht gewollt hatte, aber mit der Vorführung eines unbekannten Filmes, Othello, der permanent im Teatro Argentina in Rom gezeigt wurde und damit die übliche Trauerfeier ersetzte.



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