Ein Moränenhügel inmitten der Ebene des Tagliamento, für den im Norden die Gipfel der Julischen Alpen den Hintergrund bilden. Seine Höhe von nur 25 Metern macht ihn heute bestenfalls zu einem Aussichtspunkt, bot aber einst Schutz vor Invasoren. Heute erstreckt sich um den Hügel herum ein Farbenspiel aus Dächern: Es leuchtet rot, ocker und gelb von den Palazzi, wobei überall die reich verzierten Motive der venezianischen Gotik daran erinnern, dass das Friaul mehr als drei Jahrhunderte lang unter der Herrschaft des Löwen von San Marco stand. Seit damals wuchs „Udin", wie die Friauler sagen, die noch stolz ihre alte romanische Sprache sprechen, stetig an und wurde zur historische Provinzhauptstadt dieser Grenzregion.
Eine Entdeckungstour durch die Stadt startet man am besten auf der Piazza della Libertà mit ihren unverkennbar venezianischen Einflüssen, die pittoresk am Fusse des Burghügels liegt. Der Palazzo del Comune und die
Loggia del Lionello , das Wahrzeichen der Unabhängigkeit der Stadt, übertreffen sich hier gegenseitig mit ihrem Prunk. Gegenüber verläuft der
Bogengang San Giovanni , welcher in der Mitte durch einen weiten Bogen unterbrochen wird, der den Zugang zur gleichnamigen Kapelle (heute Pantheon dei Caduti) bildet, und den Besucher mit seinen Statuen, dem Brunnen und dem
Uhrturm bezaubert. Zwischen der Loggia del Lionello und der Via Cavour befinden sich die beeindruckenden Arkaden des Café Contarena (benannt nach dem alten Namen der Piazza della Libertà, zu Ehren des venezianischen Prokurators Girolamo Contarini), mit ihren prächtigen
Jugendstildekorationen: ein faszinierendes Ambiente, in dem man gerne an einem der Tische Platz nimmt.
Körperlich und seelisch gestärkt ist man dann für den Aufstieg zum
Burghügel gewappnet, für den man am besten die Treppen nutzt, die links vom Bogengang San Giovanni beginnen. Der Weg führt durch den eleganten
Arco Bollani , erbaut im Jahr 1556 nach Plänen von Andrea Palladio, rechts vorbei am
Bogengang Lippomano , einem durch Rampen geprägten gotischen Bauwerk vom Ende des 15. Jh., und schon ist man auf dem Gipfel des Hügels angekommen, wo über der Stadt die
Burg thront. Diese wurde Anfang des 16. Jh. auf den Überresten einer Festung erbaut, die bereits 983 in einem königlichen Dokument erwähnt wurde, das von der Schenkung an den Patriarchen von Aquileia berichtet. Heute zeigt sich die Burg
Udene als nobles Gebäude, das geschützt im Schatten jahrhundertealter Zedern liegt.